Abacavir-Hypersensitivitätsreaktion

Ca. 5% aller Patienten, die erstmals mit dem NRTI Abacavir (Ziagen®, Trizivir®, Kivexa®) behandelt werden, zeigen durchschnittlich 11 Tage nach Therapiebeginn Symptome einer Hypersensitivitätsreaktion (HSR); 94% aller Fälle treten innerhalb von 6 wochen auf.

Die eher unspezifischen Symptome umfassen u.a. Fieber, Exantheme, gastrointestinale Beschwerden und allgemeine Abgeschlagenheit.
Differentialdiagnostisch und zur immunologischen Bestätigung der ABC-bedingten HSR wurde für wissenschaftliche Fragestellungen der Hauttest herangezogen (Mallal S. et al.).

Da kein diagnostischer invitro test existiert, ist die Abacavir-bedingte HSR derzeit eine rein klinische Diagnose. Die Beschwerden eskalieren bei Fortführung der Therapie und können im Extremfall lebensbedrohlich werden.
Bisher konnte bei Auftreten der auch unter Abacavir möglichen unspezifischen Symptomatik der Verdacht auf eine HSR nicht ausgeschlossen werden, weshalb Abacavir dauerhaft abgesetzt werden musste, wodurch sämtliche ABC-haltigen Medikamente (Ziagen®, Trizivir®, Kivexa®) für die Behandlung wegfielen. 

Im Jahr 2002 beschrieben Mallal et al. an australischen Patienten erstmalig eine enge Assoziation zwischen HLA-B*5701 und einer HSR unter Abacavir.
Inzwischen wurden diese Daten im Rahmen der randomisierten Doppelblindstudie PREDICT-1 (1956 Patienten aus mehreren Kontinenten) bestätigt. Nach Ausschluß der HLA-B*5701-positiven Patienten (Studienarm) trat kein Fall einer immunologisch bestätigten HSR auf, im vergleich zu 23 Fällen (2,7%) im Kontrollarm (Mallal S. et al.).

Da die Hypersensitivitätsreaktion (HSR) gegen Abacavir nur unter Merkmalsträgern des HLA-B*5701 Allels auftritt, kann nach bisheriger Datenlage bei negativem test auf HLA-B*5701 eine immunologisch bedingte HSR komplett ausgeschlossen werden.
Die aktuellen europäischen Richtlinien (EACS) sehen daher eine HLA-B*5701 Bestimmung bereits im Rahmen der Erstuntersuchung vor, womit der Behandler vor Beginn einer Therapie über einen etwaigen Wegfall von Abacavir als Therapieoption informiert ist.
Bei Positivität von HLA-B*5701 ist die Gabe von ABC kontraindiziert!
Die DHHS-Richtlinien verlangen ebenfalls eine HLA-B*5701 Bestimmung, jedoch erst vor Therapieumstellung auf ein Abacavir-haltiges Regime.